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Symposium "Höhen und Tiefen"


"Höhen + Tiefen der Notfallmedizin" hat Burkhard Dirks sicher erlebt - sei es als aktiver Notarzt, als Leiter der Sektion Notfallmedizin der Uniklinik Ulm, als langjähriger Vorsitzender der agswn oder in vielen anderen notfallmedizinischen Funktionen. Was liegt also näher, als ihn mit einem gleichnamigen Symposium in den Ruhestand zu verabschieden? Deshalb laden wir am 28. April alle interessierten zu einem gemeinsamen Symposium von Uni Ulm und Bundeswehrkrankenhaus, von agswn und agbn, ein, um notfallmedizinische Themen aus großen Höhen und Tiefen mit erfahrenen Referenten zu diskutieren.


 

Schwerverletzte in der Region optimal versorgt

 

Alle Kliniken im Traumanetzwerk Ulm durch die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie zertifiziert

 

 

Gerade jetzt, in der nebligen Jahreszeit, passieren sie wieder häufiger: Schwere Verkehrsunfälle mit vielen Verletzten oder sogar Toten. Aber auch sonst können sich Unfälle überall und jederzeit ereignen: Ob zu Hause, beim Sport, am Arbeitsplatz oder auf dem Schulweg. So unvorhersehbar Unfälle und ihre Folgen sind, so wichtig ist es, dass die Akutbehandlung von Unfallopfern so schnell und strukturiert wie möglich abläuft. Zwölf Kliniken der Region haben es sich seit 2008 zur Aufgabe gemacht, die Versorgung von Schwerverletzten in Ulm und Umgebung weiter zu verbessern und im Sinne der Patienten noch effizienter zusammen zu arbeiten. Unter Federführung des Universitätsklinikums Ulm und des Bundeswehrkrankenhauses (BWK) Ulm haben sie sich zum Traumanetzwerk Ulm zusammengeschlossen. Nach dreijähriger Vorbereitung sind jetzt alle teilnehmenden Kliniken nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie zertifiziert. Damit erfüllt das Traumanetzwerk Ulm nachweislich alle Kriterien für die bestmögliche Versorgung Schwerverletzter in der Region Ulm/Alb/Donau/Brenz/Iller/Allgäu – und zwar flächendeckend und rund um die Uhr.

 

„Der entscheidende Faktor in der Polytraumaversorgung, also der Versorgung von Menschen mit mehreren schweren Verletzungen, die in der Summe lebensbedrohlich sind, ist die Zeit. In der Notfallrettung sprechen wir von der ‚Golden Hour of Shock‘. Innerhalb einer Stunde sollte die Erstversorgung stattfinden. Dafür müssen schwer verletzte Patienten schnellstmöglich in adäquate Versorgungseinrichtungen gebracht und dort entsprechend behandelt werden“, erklärt Dr. Christoph Riepl, Netzwerkbeauftragter und Oberarzt an der Universitätsklinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie. Mit dem Zusammenschluss im Traumanetzwerk sind dafür die notwendigen Voraussetzungen geschaffen. Alle teilnehmenden Kliniken verpflichten sich dazu, einheitliche Standards einzuhalten, sowohl in der Kommunikation mit Rettungsdiensten und Kliniken, als auch in der Versorgung der Patienten. „Die Zertifizierung des Gesamtnetzwerkes ist ein Schritt, der die Versorgungsqualität in der Region noch weiter verbessert“, freut sich Prof. Dr. Florian Gebhard, Geschäftsführender Ärztlicher Direktor des Zentrums für Chirurgie am Universitätsklinikum Ulm und Sprecher des Traumanetzwerks.

 

Von dem Zusammenschluss profitieren aber auch die Kliniken selbst; sei es durch die gemeinsame Nutzung vorhandener Ressourcen, wie z.B. Hubschrauberlandeplätzen, oder durch ein Verbund-System zur Fort- und Weiterbildung. Für das BWK Ulm hat die eigene zentrale Rolle im Traumanetzwerk laut Oberstarzt Dr. Mathias Helm noch einen anderen entscheidenden Vorteil: „Als eine wesentliche Aus- und Weiterbildungsstätte für medizinisches Personal innerhalb des Sanitätsdienstes der Bundeswehr ist es für uns eminent wichtig, an der medizinischen Versorgung von Schwer- und Schwerstverletzten beteiligt zu sein – insbesondere im Hinblick auf unsere Aufgaben im Auslandseinsatz“, so der stellvertretende Sprecher des Traumanetzwerkes,

 

Um anerkanntes Traumazentrum im Netzwerk zu werden, müssen die Kliniken eine Vielzahl unterschiedlichster Kriterien erfüllen. Diese wurden von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie in einem Weißbuch zusammengefasst und vom unabhängigen Institut „Diocert“ überprüft. Sie betreffen den Ablauf bei Aufnahme und Transport eines Patienten vom Unfallort in ein Traumazentrum ebenso wie standardisierte Behandlungsabläufe und Verlegungskriterien für die Frühphase der Schwerverletztenversorgung. Hinzu kommen weitere Verpflichtungen wie die regelmäßige Teilnahme an Ausbildungsprogrammen oder an Qualitätszirkeln zur Aufarbeitung möglicher Fehler. Ebenfalls dazu gehört eine Meldepflicht beim Deutschen Traumaregister. In diesem werden Patienten-Verlegungsströme erfasst: Wann wurde welcher Patient von welchem Klinikum in welches Klinikum verlegt? Wie waren die zeitlichen Abstände? Dies gewährleistet langfristig eine strukturierte Versorgung und Verlegung von Patienten.

Außerdem gelten für die Kliniken im Traumanetzwerk klare Richtlinien bezüglich ihrer personellen, räumlichen und technischen Ausstattung. Bestimmte  24-Stunde-Dienste müssen gewährleistet werden. In vielen Fällen mussten die Schockräume, in denen schwer verletzte Patienten im Krankenhaus erstversorgt werden, technisch aufgerüstet werden. Dazu Dr. Christoph Riepl:  „Andere Kliniken mussten teilweise sogar umbauen und personell erheblich aufstocken. Ein Riesenaufwand – aber einer, der sich für die Patienten wirklich auszahlt.“ Diese Anforderungen, vor allem finanzielle und organisatorische, sind wohl auch Grund dafür, dass nicht alle Kliniken im Umkreis am Zertifizierungsverfahren teilnahmen. „Das ist der einzige Wermutstropfen. Allerdings ist es jederzeit möglich, sich nachzertifizieren zu lassen. Wir hoffen sehr, dass sich zukünftig weitere Einrichtungen dazu entschließen“, sagt Prof. Dr. Florian Gebhard.

 

Und so funktioniert die Zusammenarbeit im Netzwerk: Die einzelnen Einrichtungen werden einer von drei Versorgungsstufen mit je unterschiedlichen Anforderungen zugeordnet: Lokale Traumazentren sind meist Einrichtungen der Grund- und Regelversorgung, wie z.B. das Krankenhaus Tettnang. Regionale Traumazentren sind Schwerpunkthäuser bzw. Häuser der Maximalversorgung, wie das Klinikum Heidenheim. Das Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie, bildet gemeinsam mit dem Ulmer Bundeswehrkrankenhaus das überregionale Traumazentrum im Traumanetzwerk. Jedes lokale Zentrum kann schwer verletzte Patienten in regionale und überregionale Zentren verlegen. Dabei trägt nicht die verlegende Klinik die Verantwortung, einen Patienten in einer anderen Klinik unterzubringen. Vielmehr muss sich das größere, angefragte Traumazentrum bei Kapazitätsengpässen um die Weiterverlegung kümmern. Das überregionale Traumazentrum verpflichtet sich, jeden Patienten aufzunehmen.

 

Geschieht z.B. auf der A7 bei Memmingen ein schwerer Verkehrsunfall, bringt der Rettungsdienst nach seiner Ersteinschätzung den Verletzten zunächst ins dortige regionale Traumazentrum. Dort erfolgt standardmäßig eine Aufnahme vom Schädel bis zum Becken durch einen Computertomographen (CT). Ergibt das CT Verletzungen, die dort nicht behandelt werden können, etwa weil es keine ausreichend große Abteilung für Neurochirurgie gibt, erfolgt ein Anruf im nächstgrößeren Zentrum, das einen solchen Patienten adäquat behandeln kann, beispielsweise im Universitätsklinikum Ulm. Der Patient wird dann über den Schockraum ins Universitätsklinikum verlegt. „Im Netzwerk ist jetzt klar geregelt, wer wen aufnimmt. Der Vorteil: Es gibt keine Wegsucherei mehr. Das führt zu erheblicher Zeitersparnis, die wiederum dem Patienten zu Gute kommt“, schließt Dr. Christoph Riepl.

 

Überregionales Traumazentrum: Universitätsklinikum Ulm und Bundeswehrkrankenhaus Ulm

Regionale Traumazentren: Klinik am Eichert Göppingen, Klinikum Heidenheim, Ostalbklinikum Aalen, Klinikum Memmingen, Krankenhaus Günzburg, Stauferklinikum Schwäbisch Gmünd

Lokale Traumazentren: Verbundkrankenhaus Dinkelsbühl, Rotkreuzklinik Lindenberg, Krankenhaus Tettnang, Kreisklinik Ottobeuren

 

Hier können Sie Informationen zu den zertifizierten Kliniken downloaden:

Klinikliste als PDF

MANV Liste als PDF

Nicht nur Pulverschnee birgt Gefahren

Die Luftrettung arbeitet auch im Winter auf Hochtouren

 

Es ist ein kalter Wintertag, die Sonne versteckt sich hinter den Wolken. Ein paar Kinder laufen Schlittschuh auf einem kleinen See nahe Ulm. Sie machen Faxen, spielen, lachen. Plötzlich geschieht das Unglück: Ein Junge bricht im dünnen Eis ein. Die anderen reagieren geistesgegenwärtig und rufen Hilfe mit dem Handy. Der Notruf landet kurz später beim Luftrettungszentrum am Ulmer Eselsberg, das im Winter unter besonderen, teils schwierigen Bedingungen arbeiten muss.

 

Der Rettungshubschrauber „Christoph 22“ steht jetzt meist im Hangar und nicht im Freien, weil die kalten Temperaturen problematisch für Medizin und medizinische Geräte sein könnten. Außerdem müsste der Hubschrauber im Fall der Fälle nicht von Schnee und Eis befreit werden. „Trotzdem verlieren wir keine Zeit, wir sind genauso schnell in der Luft wie im Sommer“, sagt Pilot Marc Rothenhäusler. Etwa zwei Minuten dauert es, bis „Christoph 22“ nach Eingang des Notrufs in der Regel abhebt. Mit Hilfe einer Plattform wird er nach draußen gefahren, wo der Pilot sofort mit der Startphase beginnt.

 

Die besondere Herausforderung für Piloten ist natürlich das Winterwetter mit all seinen Unbilden. „Die Flugbedingungen können sich sehr schnell ändern“, erklärt Rothenhäusler. Gefürchtet ist vor allem Eisregen, der sich an Scheibe oder Rotorblättern festsetzt. Aber selbst normaler Schneefall kann einem Piloten das Leben schwer machen, weil die Sicht stark beeinträchtigt ist. Nach Möglichkeit versuche man, Niederschlagsgebiete zu umfliegen. Bei flächendeckendem Schneefall müsse man schon vorher entscheiden, ob der Flug überhaupt machbar ist.

 

Ein Problem kann im Winter auch die Landung sein. Der Pilot würde sein Fluggerät, das mehr als drei Tonnen wiegt, zwar nie auf einem gefrorenen See aufsetzen. Aber selbst Pulverschnee bringt Gefahren mit sich, wie Rothenhäusler erklärt. Etwa fünf Meter über dem Boden wirbelt der Hubschrauber so viel Schnee auf, dass der Pilot nichts mehr sieht. „Man muss sich einen Fixpunkt suchen, einen Pfahl oder einen Zaun, und die Augen darauf richten.“ Wenn der Boden gefroren ist, sollte die Landung möglichst sanft sein. Andernfalls kann der Hubschrauber auf seinen Kufen „wegdrehen“.

 

Eine Rettung aus der Luft im oben geschilderten Fall ist laut Rothenhäusler undenkbar. Der Wind, den die Rotoren erzeugen, würde den Verunglückten unter Wasser drücken, deshalb wird er von Wasserwacht oder Feuerwehr an Land geholt. Dann kommt das medizinische Personal des Ulmer Luftrettungszentrums zum Einsatz, das von Bundeswehr und ADAC betrieben wird. Auch für die Ärzte sind winterliche Verhältnisse eine Herausforderung. Die oberste Maxime lautet, den Verunglückten vor Unterkühlung zu schützen, erklärt Dr. Matthias Helm, Leitender Notarzt der ADAC Luftrettung in Ulm. Besondere Vorsicht ist demnach bei Infusionen geboten, die nach Möglichkeit Körpertemperatur haben sollten. Eine Heizung im Hubschrauber, die mit der heißen Luft aus dem Triebwerk gespeist wird, sorgt dafür, dass der Innenraum schnell warm wird und auch die Temperaturen für Medikamente und Infusionen nicht unter einen kritischen Punkt fallen. „Natürlich können auch medizinische Geräte, die mit Akkus betrieben werden, unter der Kälte leiden“, erklärt Dr. Helm. Um selbst auf sicheren Füßen zu stehen, tragen er und seine Kollegen Schuhe mit Anti-Rutsch-Sohle. Auch das Zwiebel-Prinzip bei der Kleidung müssen Ärzte und Rettungsassistenten im Winter beachten. Helm spricht von einer „Stop-and-go-Aktivität“, berichtet vom ständigen Wechsel zwischen schnellen Handgriffen und Ruhephasen, Laufschritten zum Hubschrauber und zurück zum Verunglückten. Die Helfer müssten in der Lage sein, schnell Kleidungsstücke abzulegen und wieder anzuziehen. In der kalten Jahreszeit ist die Arbeit oft schwieriger. „Aber der Winter hat auch tolle Seiten“, sagt Helm. „Es ist wunderschön, über die Schwäbische Alb zu fliegen, wenn sie im Wintermantel liegt.“